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Blog

Der Pragmatist Helmut Erler schreibt zu den Themen Unternehmerfamilie, Unternehmensethik und Logovision.

20 März

Von Gut und Böse und warum Moral Grundlage für Erfolg ist

Ethische Gespräch drehen sich um das Gute und das Böse, führen zu moralisch verbindlichen Normen, die wir in Summe als Moral bezeichnen. Diesen Weg beschreiten Ethiker auch, wenn es um Fragen des Zusammenlebens innerhalb von Unternehmen und der Unternehmen mit ihrer Umwelt geht.

Wie wollen wir miteinander und mit anderen umgehen und warum? Sind unsere moralischen Regeln global und allgemein gültig, oder ist deren Gültigkeit nur auf unsere Organisation beschränkt? Wie gehen wir mit anderen Organisationen um, deren Verhalten und Entscheidungen mit unserer Moral nicht übereinstimmt?

Alles viel zu komplex und kompliziert; am besten wir beschäftigen uns gar nicht damit. Solche Gespräche zeigen auch die Unterschiede in den entscheidungs- und handlungsrelevanten Werten. Wollen wir Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen, die ihre Leistungen nachweislich durch den Einsatz von Kinderarbeit erbringen? Sind Verbindungen zu Unternehmungen gewünscht, deren Produktion die Umwelt belastet und diese nachhaltig schädigt? Nun können wir sagen, wir kümmern uns nicht um einen Wertekanon. Vielen ist es nicht klar, dass alle unsere Entscheidungen und Handlungen von einem Wertekanon bestimmt werden. Jeder Mensch hat einen solchen als Produkt seiner Sozialisierung. Wenn es um Ethik und Moral geht, müssen wir uns mit unseren Werten beschäftigen. In Unternehmen ist es von größter Bedeutung, dass es eine Anzahl von Werten gibt, welche uneingeschränkt Gültigkeit haben. Beim Babynahrungshersteller Hipp gelten dieselben Werte im Unternehmen wie in der Unternehmerfamilie. Es ist wichtig, dass die Bedeutung, die begrifflichen Inhalte dieser Werte für jedermann verständlich sind. Wenn z.B. von Gleichberechtigung die Rede ist, müssen alle auch wissen, was damit gemeint ist. Gleichberechtigung unabhängig vom Geschlecht, von sozialer Stellung oder von Religion. Wie verhält es sich mit Werten wie Respekt, Vertrauen, Wahrheit, Solidarität oder Toleranz. Eigentümer oder Geschäftsführer bestimmen diesen Wertekanon. Ein umfangreicher Diskurs bestimmt das Gerüst aus Normen und Prinzipien, welche ihrerseits Entscheidungen über richtig oder falsch von verschiedenen Handlungen im und um das Unternehmen ermöglichen. Die Kombination aus Ethik (Begründung) und Normen (Richtlinien) wird im unternehmerischen Kontext auch Governance genannt. Diese hilft der Unternehmensführung dabei, moralische Entscheidungen zu treffen und Erfolgsfaktor Unternehmensethik dadurch berechenbar zu sein. Das Unternehmen hat ein eindeutiges moralisches Profil.

MitarbeiterInnen wollen in einem Umfeld arbeiten, welches kompatibel mit der individuellen moralischen Konditionierung ist. Ein Dienstverhältnis kann nur dann von Dauer sein, MitarbeiterInnen werden nur dann bereit- und freiwillig ihre Talente, ihr Wissen und ihre Erfahrung zur Erfüllung des Unternehmenszwecks einsetzen, wenn sie dabei nicht ihren eigenen moralischen Prinzipien zuwiderhandeln müssen. Folgen dieser Übereinstimmung sind geringere Fluktuation, längere Verweildauer im Unternehmen und weniger Konflikte, sowohl innerbetrieblich als auch mit Anspruchsgruppen außerhalb des Unternehmens. Die verfügbaren Ressourcen werden zweckorientiert eingesetzt und Kosten werden vermieden. Die Beziehungen zu außerbetrieblichen Anspruchsgruppen wie Kunden, Lieferanten oder der Öffentlichkeit werden positiv beeinflusst und stabilisiert. Dies führt zu höheren Umsätzen, geringeren Bezugskosten und größerer Anerkennung und Akzeptanz.

Ein gelebtes moralisches Profil ermöglicht es, die verfügbaren Ressourcen zweckorientiert einzusetzen. Es verhindert die Aufnahme von Geschäftsaktivitäten, die langfristig zu Lasten der werteorientierten Existenz des eigenen Unternehmens gehen Entwicklungen zum Schutz des Lebensraums werden in werteorientierten Organisationen viel eher, ernsthafter und intensiver vorangetrieben als in Unternehmen, welche die Umwelt als einen zentralen Unternehmenswert nicht verankert haben. Ist es vertretbar, dass Siemens sein Knowhow für die Entwicklung neuer Kohleabbaustätten in Australien zur Verfügung stellt? Kurzfristig kann diese Entscheidung zu höheren Gewinnen führen, langfristig besteht die Gefahr, dass die Marke Siemens leidet; viel größere Gewinnchancen können durch diese Entscheidung verloren gehen. Umweltorientierte Unternehmen entwickeln nachhaltige Wettbewerbsvorteile, weil ihre Entscheidungen und ihr Handeln auf langfristige Effekte ausgerichtet sind. Der kurzfristige finanzielle Erfolg ist wichtig, aber nicht auf Maximalwerte getrimmt. Das langfristige erfolgreiche Bestehen des Unternehmens, die Bereitstellung von Dienstleistungen und Produkten von hohem gesellschaftlichem Wert stehen im Vordergrund.

Dies alles und noch viel mehr ist allerdings nur dann erreichbar, diese positiven Effekte können nur dann eintreten, wenn die dem moralischen Profil zugrunde liegenden Unternehmenswerte uneingeschränkt und diszipliniert gelebt werden. Reine „Lippenbekenntnisse“ oder schöne Darstellungen auf den Internetseiten sind kontraproduktiv. Jede Organisation steht permanent unter Beobachtung. Durch die heutige Informationslandschaft und die dadurch entstehende Transparenz kann Glaubwürdigkeit nur durch konsequentes Wertemanagement entstehen und gehalten werden. Nur durch Glaubwürdigkeit kann ein Unternehmen die erwähnten positiven Effekte erzielen und den „Lohn“ dafür einstreifen.