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Blog

Der Pragmatist Helmut Erler schreibt zu den Themen Unternehmerfamilie, Unternehmensethik und Logovision.

03 September

„Chefs brauchen Macht”

Ein Artikel mit dieser Headline findet sich in der “Zeit” vom 1. September 2014. Er hat mich – den Pragmatisten – dazu inspiriert, hier einige Gedanken zu diesem durchwegs ethischen Thema darzulegen.
Macht ist ein gefährliches Wort. Viele haben im wahrsten Sinne dieses Begriffes panische Angst davor. Ist diese begründet oder unbegründet? Nun, das hängt mitunter davon ab, auf welcher Seite man sich befindet; auf jener der Mächtigen oder der Machtlosen.
Das Maximum an Macht gibt dem Einzelnen ein Maximum an Freiheit und an persönlicher Gestaltungsmöglichkeit für das eigene Leben. Macht bedeutet Entscheidungsmöglichkeit über das Handeln anderer und seiner selbst.
Führungskräfte brauchen Macht, wird in dem vorgenannten Artikel behauptet. Denn ohne sie wäre Führen nicht möglich. Führungskräfte wären ohne Macht “ohnmächtig” und “handlungsunfähig”. Vielleicht ist gemeint, dass sie entscheidungsunfähig wären, da ohne die notwendige Macht der Durchsetzung wohl jede Entscheidung obsolet ist.
Macht – verantwortungsvoll eingesetzt – eröffnet vor allem die Möglichkeiten der aktiven Gestaltung; sie ist so etwas wie der Treibstoff von Veränderungen, so wie Benzin eben einen Motor antreibt.
Macht muss man aber auch haben wollen, und sie birgt ein hohes Maß an Verantwortung in sich, derer sich viele Manager nicht bewusst sind. Dies deshalb, weil sie nicht abzuschätzen vermögen, welche Tragweite die Entscheidungen, die sie Kraft ihrer Macht treffen und durchsetzen, tatsächlich haben.
Macht ist also nur insofern gegeben und relevant, als sie zu Veränderungen führt. Macht ohne Veränderungsenergie ist ohne inneren Wert, also sinnlos. Führungsverantwortliche müssen ihre Macht für Veränderungsprozesse einsetzen, die die Verbesserung des Gemeinwohls zum Ziel haben. Setzen sie ihre Macht nur zur Verbesserung ihrer eigenen Lebenssituation ein, so führt dies sehr leicht zu Despotismus und Narzissmus. Also müssen die Chefs im Vertrauen darauf, dass für sie ein gerechter Lohn “abfällt”, immer die langfristige Verbesserung der Lebenssituation der Gesellschaft zur Grundlage ihrer Entscheidungen und ihres Machteinsatzes machen.
Leider scheitern sehr viele Menschen mit Führungsverantwortung exakt an dieser Ausrichtung. Ihnen ist nicht wirklich bewusst, welche mitunter dramatischen Auswirkungen ihr Machteinsatz auf ihre Organisation hat, weil sie nicht in der Lage und nicht dafür geschult sind, etwas weiter in die Zukunft zu blicken, als in das kommende Quartal.
Macht ist das Mittel für Veränderung, mit welchem mit größter Sorgfalt umgegangen werden muss. Ohne Macht gibt es keine Veränderung. Jede Veränderung ist auf einen besseren zukünftigen Zustand auszurichten. Dazu muss man zunächst einmal aber auch wissen, wie dieser Zustand aussehen soll. Chefs ohne Vision und deutliche Strategien können ihre Macht nicht zielorientiert einsetzen. Daher ist es oberstes Gebot, dass sich die künftige Situation der Gesellschaft als Ganzes, und nicht ausschließlich die einer einzelnen Person durch den Machteinsatz verbessern muss.
Abschließend ganz pragmatisch: Macht den Veränderungswilligen! Macht den Verantwortungsbewussten! Macht denjenigen, die das Leben für andere besser machen wollen!