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Blog

Der Pragmatist Helmut Erler schreibt zu den Themen Unternehmerfamilie, Unternehmensethik und Logovision.

15 Juli

Unternehmensethik als Orientierungshilfe und Erfolgsfaktor

Was kann man unter dem Begriff Unternehmensethik verstehen? Unternehmensethik ist die Summe aller Regeln, die ein gedeihliches Zusammenarbeiten aller mit einem Unternehmen verbundenen Anspruchsgruppen sichert. Es geht also immer um die Frage: Ist eine Handlung im Sinne aller Anspruchsgruppen gut oder schlecht, richtig oder falsch? Nun, vor dieser Frage könnte man schon kapitulieren.
Wir tun das nicht. Gehen wir einen Schritt zurück und befassen wir uns mit Begriffen, die in dieser Diskussion wichtig sind. Was unter Ethik zu verstehen ist, habe ich bereits beantwortet: Ethik ist die Summe aller Regeln. Oft werden die Begriffe Ethik und Moral synonym, also als inhaltlich gleichwertig verwendet. Hier wird unter Moral die Bewertung des Handelns im Vergleich zu den Regeln (Ethik) verstanden. Moral ist also ein allgemeiner Bewertungsbegriff unter welchem alle Handlungen nach moralisch (den Regeln entsprechend) oder unmoralisch (den Regeln nicht entsprechend) beurteilt werden.
Was bestimmt aber die ethischen Regeln? Diese werden aus jenem Wertekanon abgeleitet, welcher das Denken und Handeln der jeweiligen soziokulturellen Einheit (Unternehmen) bestimmt. Werte sind also die Grundlage für die Ethik.
Nachdem nun die Begriffe Ethik und Moral (auch moralisch und unmoralisch) und Wert inhaltlich bestimmt sind, können wir einen kurzen Ausflug in die Unternehmensethik wagen. Ethik bestimmt also die Regeln, nach welchen sich Handlungen als moralisch oder unmoralisch erweisen. Wer aber bestimmt diese Regeln der Ethik? Zum einen die ethischen Werte. Aber wer entscheidet, welche Werte für eine Gemeinschaft wichtig sind? Darüber sind schon viele Bücher geschrieben worden, hat es seit mehr als 2500 Jahren unzählige philosophische Auseinandersetzungen gegeben, und es gibt nach wie vor keine allgemein gültige Antwort dazu. In meiner Praxis als Berater scheint sich aber eines deutlich abzuzeichnen. Die ethischen Regeln, die in einem Unternehmen gelten, werden von den Eigentümern auf der Grundlage ihres Wertekanons festgelegt. Das funktioniert mittlerweile sogar bei börsenorientierten Unternehmen, da immer mehr Aktionäre Wert darauf legen, dass bestimmte Regeln eingehalten werden, ansonsten sie einfach die Aktien verkaufen bzw. bei Kapitalmaßnahmen eben keine Aktien eines Unternehmens erwerben. Viel unmittelbarer können wir den Einfluss der Eigentümer bei Privatunternehmen (Familienunternehmen) erkennen. Die Unternehmerfamilie bestimmt auf Grundlage ihrer Familienwerte die ethischen Regeln, nach denen sich die Familie zu verhalten hat. Diese Regeln müssen wie selbstverständlich auch in deren Unternehmen gelten, ansonsten man mit permanenten Konflikten zu kämpfen hat.
Die Bedeutung des Wertekanons wird allgemein unterschätzt. Wertekompatibilität der Anspruchsgruppen erhöht die Unternehmensdynamik in allen Bereichen, reduzieren die Fluktuation der Mitarbeiter und erhöhen massiv die Treffsicherheit und Beständigkeit bei der Akquise und Rekrutierung. Dieses Potential, welches gem. zuverlässiger Studien zu einer langfristig beständigen Ergebnisverbesserung von bis zu 18 % führen kann, ist in vielen Unternehmen nicht genutzt. Warum eigentlich?