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Blog

Der Pragmatist Helmut Erler schreibt zu den Themen Unternehmerfamilie, Unternehmensethik und Logovision.

08 Juni

Unternehmernachwuchs ist rar!

Unternehmensnachfolger wachsen nicht auf den Bäumen, auch nicht in den Gärten erfolgreicher Unternehmer. Ca. die Hälfte der Unternehmerfamilien haben keinen Nachfolger oder keine Nachfolgerin. Im Tourismus ist die Lage noch prekärer. Da sind es 7 von 10 Familien, die niemandem aus der Familie das Familienunternehmen übergeben können. Diese Situation ist von den Unternehmerfamilien unerwünscht. Die meisten Familienunternehmer wollen ihr Lebenswerk an die nächsten Generationen weitergeben.

Die innerfamiliäre Sozialisierung vermiest das Unternehmertum!
 In der Beraterpraxis sehen wir das Nachwuchsproblem vielfach in der Sozialisierung begründet. Warum sollten junge Menschen in die Fußstapfen ihrer durchaus erfolgreichen Vorgänger treten wollen, wenn ihnen tagtäglich vermittelt wird, mit welchen Belastungen und Entbehrungen das Unternehmersein einhergeht? Warum sollte sie einer Sechzigstunden-Arbeitswoche etwas abgewinnen können, wenn sie tagtäglich nur mit den Schattenseiten des Unternehmertums bombardiert werden. Welchen Sinn soll es haben, einerseits nach finanzieller Sicherheit zu streben und andererseits immer sein ganzes Hab und Gut im Risiko zu sehen.
Auf dem Weg der Sinnfindung.
Es liegt selten an den potentiellen Nachfolgern. Die meisten jungen Menschen, die mir in meiner Beratungspraxis begegnen, sind leistungs- und risikobereit. Für sie muss jedoch ein Sinn in ihrer Arbeit erkennbar sein.

Arbeit und Freizeit sind keine Gegensätze.
 Die sog. work-life-balance macht dem Unternehmernachwuchs keine Probleme. Er sucht sich von vornherein Aufgaben, bei denen die Grenzen zwischen der Arbeit einerseits und dem „Leben“ andererseits verschwimmen. „Ora et labora“ ist keine allgemein akzeptierte Lebensphilosophie mehr. Für ein gesundes Maß sind sie bereit, auch Einbußen im gewohnten Lebensstandard in Kauf zu nehmen. Geld ist nicht alles, die Qualität der Lebenszeit ein viel höheres Gut. Insbesondere die Zeit für die Beziehungspflege innerhalb und außerhalb der Familie gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Historische Wahrheiten haben nachhaltig Gültigkeit.
 Natürlich sind diese philosophischen Zugänge nicht neu. Sie sind seit der Antike heftig diskutiert. Von Sokrates und Epikur bis zu Viktor Frankl steht die Suche nach dem Sinn im Zentrum der Frage nach einem gelungenen Leben. Die jungen Menschen der letzten zwei Generationen haben dieser Diskussion wieder eine neue Dynamik verliehen. Sie sind viel selbständiger und unabhängiger als die Generationen ihrer Eltern und Großeltern.

Unternehmernachwuchs gezielt entwickeln.
 Es ist verständlich, dass dem potentiellen Unternehmernachwuchs zunächst freigestellt wird, wie er seine persönliche Zukunft gestalten, welchen Berufsweg er einschlagen möchte. Es darf aber nicht abwegig sein, diesem zumindest mitzuteilen, dass es schon erwünscht wäre, wenn jemand aus der Unternehmerfamilie das Familienunternehmen übernehmen und in Zukunft leiten würde. Schon im Kindesalter wird Unternehmertum vermittelt. Probleme und Herausforderungen und – hoffentlich – auch unternehmerische Erfolge werden am Frühstückstisch, beim Mittagessen und beim Abendessen angesprochen. Erste kleine Aufgaben werden im Familienunternehmen verrichtet. Es wird verständlich, dass ein Großteil der wirtschaftlichen Absicherung und sozialen Stellung mit dem Erfolg als Unternehmer zusammenhängt. Die ersten Grundsatzentscheidungen betreffend Ausbildung stehen bereits nach der Pflichtschule an. Dem Nachwuchs wird eine Aufgabe im erfolgreichen Familienunternehmen in Aussicht gestellt. Ausbildungs- und Wanderjahre sind auf diese Aufgabe abgestimmt. Dann heißt es für die Übergeber, schön langsam „das Feld zu räumen“, denn der bestens qualifizierte Nachwuchs wartet nicht ewig auf die Nachfolge. Ein von einem familienexternen Nachfolgeberater bestens vorbereiteter und in der Umsetzung begleiteter Nachfolgeprozess lässt Eigentum und Führung in neue Hände gleiten. Parallel dazu ziehen sich die verdienten Unternehmerpersönlichkeiten vermehrt auf eine Beratungsfunktion zurück bis sie endgültig aus dem Unternehmen ausscheiden.

Frühzeitig mit der Entwicklung von Unternehmernachwuchs beginnen, rechtzeitig mit dem Nachfolgeprozess starten, alle Themen strukturiert abarbeiten und Vereinbartes verbindlich umsetzen. Der Nachfolgeberater bietet Prozessgestaltung und -begleitung in jeder Phase.