lade …

Blog

Der Pragmatist Helmut Erler schreibt zu den Themen Unternehmerfamilie, Unternehmensethik und Logovision.

12 Juli

Vertrauen als bestimmender Wert für die Qualität unserer Arbeit

Die Harvard Business Review diskutiert in einem Forum mit Entscheidungsträgern auf allen Kontinenten die Frage, was denn die wichtigste Eigenschaft wäre, die eine Führungspersönlichkeit haben muss. Nun, da würde man zunächst annehmen, dass Durchschlagskraft oder Durchsetzungsvermögen, Disziplin, Zielorientierung oder ähnliche, der Führungsphilosophie des “management by objectives” entspringende Führungseigenschaften, ganz vorne auf der Liste aufscheinen müssen. Weit gefehlt!
Die am häufigsten genannten Eigenschaften sind Vertrauen bzw. Vertrauenswürdigkeit, Ehrlichkeit, Integrität, Authentizität, Vision, emotionale Intelligenz, … die vorher erwähnten Eigenschaften werden nur einzeln oder gar nicht genannt.
Diejenigen, die Ihre Meinung, meist indem sie nur eine einzige, die für sie wohl bedeutendste Eigenschaft in diesen Diskussion einbrachten, scheinen eine ganz andere Perspektive einzunehmen, vielleicht auch jene Eigenschaften anzugeben, die sie in ihrer Organisation vermissen, oder die sie zur Umsetzung ihrer Führungsideologie als unersetzbar betrachten.
Die geographische Analyse ergibt, dass offenbar die Fähigkeiten zur allgemein prosperierenden Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen auf der ganzen Welt zu den wichtigsten Qualitäten einer Führungspersönlichkeit gehören. Beiträge von Entscheidungsträgern in China, Indien, Australien, Südafrika, den Arabischen Emiraten, Europa, den USA oder in Südamerika kommen mehrheitlich alle auf dieselben Anforderungen (HBR: most important quality).
Das Wort Anforderung (quality) möchte ich in dieser Diskussion mit unserem deutschen Begriff Tugend gleichsetzen. HBR stellte die Frage: What ist he single most important quality for a leader to have? – dt.: Welches ist die wichtigste Tugend für eine Führungspersönlichkeit? Vertrauen bzw. Vertrauenswürdigkeit wurden am öftesten genannt. Vertrauen ist hier als eine der Führungspersönlichkeit zuerkannte Passivqualität, die sich aus deren tugendhaften Verhalten ableitet und welches ihr von anderen Menschen zuerkannt wird, zu verstehen. Vertrauen kann man sich nicht holen, Vertrauen wird gegeben, daher Passivqualität. Die vertrauensbestimmenden Tugenden sind dabei Wahrhaftigkeit- ich sage meinem Mitmenschen gegenüber immer die Wahrheit – und Zuverlässigkeit – was ich zusage, das hält; Handschlagqualität.
Als Wirtschaftsethiker verwundert mich die Priorisierung der Tugenden, deren Umsetzung sich dann in für Dritte wahrnehmbare Qualitäten ausdrückt, keineswegs. Es entspricht einem menschlichen Grundbedürfnis, der Mensch ist ja von seiner Konditionierung her ein sozial begabtes Wesen, in friedlicher und harmonischer Koexistenz mit anderen leben zu wollen.
Ohne Werte keine Ethik, ohne Ethik keine Moral.
Überlassen wir es niemandem anderen darüber zu befinden, was nach unseren Überzeugungen richtig oder falsch ist. Wir haben das Recht und die Verpflichtung sowohl Unternehmen als auch die Gesellschaft, in der wir leben, wertekonform zum Wohl aller Anspruchsgruppen zu gestalten und zu führen.